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Mit einem RTL-SDR lassen sich auch im Oktober 2026 Wetterbilder direkt aus dem All empfangen, allerdings nicht mehr von den amerikanischen NOAA-Satelliten. Deren Mission ist seit August 2025 beendet. Empfangbar sind die russischen Satelliten Meteor-M N2-3 und Meteor-M N2-4, die digitale LRPT-Bilder im Bereich um 137,9 MHz aussenden. Dafür reichen ein DVB-T-Stick als SDR, eine einfache selbst gebaute Antenne und die freie Software SatDump.
Was ist mit NOAA-15, NOAA-18 und NOAA-19?
Viele ältere Anleitungen beschreiben den Empfang der analogen APT-Bilder der NOAA-Satelliten. Diese Anleitungen sind überholt. Nach Angaben von NOAA endete die operative Datenlieferung des POES-Programms am 16. Juni 2025. Danach wurden die letzten drei Satelliten passiviert, also kontrolliert abgeschaltet: Batterien entladen, Sender ausgeschaltet, Bordsoftware gelöscht.
| Satellit | APT-Frequenz (bis zur Abschaltung) | Außer Betrieb seit |
|---|---|---|
| NOAA-18 | 137,9125 MHz | 6. Juni 2025 |
| NOAA-19 | 137,1 MHz | 13. August 2025 |
| NOAA-15 | 137,62 MHz | 19. August 2025 |
Auch RTL-SDR.com weist in seiner NOAA-Anleitung inzwischen darauf hin, dass ein Empfang nicht mehr möglich ist. Analoge APT-Bilder von NOAA gibt es damit nicht mehr.
Meteor-M N2-3 und N2-4: das sendet heute noch
Die beiden Meteor-M-Satelliten des russischen Wetterdienstes Roshydromet umkreisen die Erde in einer sonnensynchronen Bahn in rund 820 km Höhe. Laut einem Statusbericht von Roshydromet an die internationale Koordinierungsgruppe CGMS sind beide in Betrieb, Meteor-M N2-3 allerdings "mit Einschränkungen". Die WMO-Datenbank OSCAR führt Meteor-M N2-4 als "Operational" mit einer erwarteten Lebensdauer bis mindestens 2029.
Für den RTL-SDR interessant ist die LRPT-Aussendung (Low Rate Picture Transmission) im 137-MHz-Band:
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Frequenzen laut WMO OSCAR | 137,1 MHz, 137,9 MHz, 137,9125 MHz |
| Aktuell genutzt (Community-Status, Stand August 2025) | 137,900 MHz bei beiden Satelliten |
| Modulation | OQPSK, digital |
| Symbolrate | 72 kSym/s (Community-Status), Datenrate laut OSCAR 80 kbit/s |
| Bandbreite laut OSCAR | 150 kHz |
| Polarisation | rechtsdrehend zirkular (RHCP) |
| Inhalt | ausgewählte Kanäle des Radiometers MSU-MR |
Die tatsächlich aktive Frequenz kann sich ändern. Vor dem ersten Versuch lohnt ein Blick auf eine aktuelle Statusseite, etwa die 137MHz Weather Satellite Operational Status (öffnet neues Fenster) auf GitHub. Weitere Nutzer im Bereich 137 MHz zeigt die Tabelle 100 bis 144 MHz.
LRPT ist ein digitales Signal. Hörbar ist daran nichts Sinnvolles, die Bilder entstehen erst im Decoder.
Software: SatDump und Bahnvorhersage
SatDump ist eine freie Software (GPL-3.0) zur Verarbeitung von Satellitendaten. Laut Projektseite gibt es fertige Builds für Windows und macOS, unter Linux wird das Kompilieren empfohlen, für x64-Ubuntu werden Builds bereitgestellt. Auf Android gibt es SatDump über F-Droid, der RTL-SDR wird dort als Empfänger unterstützt. Die letzte stabile Version auf GitHub ist 1.2.2 vom November 2024, daneben stellt das Projekt Nightly-Builds bereit.
SatDump bringt für Meteor-M fertige Verarbeitungsketten ("Pipelines") mit, darunter "METEOR M2-x LRPT 72k" und "METEOR M2-x LRPT 80k". In deren Pipeline-Definition (öffnet neues Fenster) ist 137,9 MHz als primäre und 137,1 MHz als Ausweichfrequenz hinterlegt. SatDump kann live vom RTL-SDR dekodieren oder eine vorher aufgezeichnete Basisband-Datei auswerten. Einen Überblick über weitere Programme gibt Welche Software für RTL-SDR?.
Polarumlaufende Satelliten sind pro Überflug nur einige Minuten über dem Horizont. Wann Meteor-M vorbeikommt, berechnet ein Bahnvorhersageprogramm aus aktuellen Bahndaten (TLE):
- Gpredict: freies Programm, aktuelle Version 2.6 vom August 2026 laut GitHub.
- Orbitron: Windows-Klassiker, die Projektseite nennt als Stand die Version 3.71 von 2005. Eine neuere Version ist dort nicht aufgeführt.
Günstig sind Überflüge mit hoher maximaler Elevation, weil das Signal dann länger und stärker ankommt.
Antennen: V-Dipol oder QFH
Für den Empfang im 137-MHz-Band sind zwei Bauformen verbreitet: der einfache V-Dipol und die aufwendigere QFH.
V-Dipol
Der V-Dipol nach Adam 9A4QV ist die einfachste Lösung. Zwei Elemente aus Aluminiumstab werden waagerecht in einem Winkel von 120 Grad angeordnet und in Nord-Süd-Richtung ausgerichtet, also in der Richtung, in der polarumlaufende Satelliten ziehen. Ein Element kommt an den Innenleiter des Koaxkabels, das andere an die Abschirmung.
9A4QV rechnet mit der Formel L(m) = 147 / f(MHz) für 137,5 MHz und kommt auf 106,8 cm Gesamtlänge, also 53,4 cm je Element. Die kurzen Anschlussdrähte bis zum Koaxkabel zählen zur Elementlänge.
Zur Einordnung, eigene Rechnung: Die Wellenlänge bei 137,9 MHz beträgt 300 / 137,9 ≈ 2,18 m, die halbe Wellenlänge also rund 109 cm oder etwa 54 cm je Element. Die Formel von 9A4QV enthält bereits einen Verkürzungsfaktor von etwa 0,98 (147 statt 150), daher die etwas kürzeren 53,4 cm.
Weil der V-Dipol horizontal polarisiert ist, dämpft er laut RTL-SDR.com vertikal polarisierte Bodensender um etwa 20 dB. Das hilft gegen Übersteuerung durch UKW-Rundfunk, Flugfunk und Betriebsfunk in der Nähe von 137 MHz. Gegenüber dem zirkular polarisierten Satellitensignal kostet die lineare Polarisation etwa 3 dB.
QFH
Die Quadrifilar-Helix-Antenne (QFH) ist wie das Satellitensignal zirkular polarisiert, es entfällt also der Polarisationsverlust des Dipols. Dafür werden vertikal polarisierte Störsignale laut RTL-SDR.com nur um etwa 3 dB gedämpft. Außerdem ist der Bau aufwendiger: 9A4QV weist darauf hin, dass ein Selbstbau einer QFH nie ganz exakt gelingt und dadurch mindestens etwa 1 dB verloren geht. Allgemeine Tipps zum Selbstbau stehen unter Antenne selbst bauen.
Geostationäre Satelliten: mit RTL-SDR nicht praktikabel
Bilder von Meteosat werden in Europa über EUMETCast verteilt. Nach Angaben von EUMETSAT braucht man dafür eine Satellitenschüssel mit Ku-Band-LNB, einen DVB-S2-Empfänger, die EUMETCast-Clientsoftware, einen Hardwareschlüssel (EKU) und eine Registrierung. Ein RTL-SDR deckt je nach Tuner nur bis etwa 1,75 GHz ab und kann DVB-S2 im Ku-Band nicht empfangen. Für Einsteiger mit Stick bleiben deshalb die Meteor-Satelliten das realistische Ziel.
Alternative: Wetterfax auf Kurzwelle
Wetterkarten gibt es auch ohne Satellit. Der Deutsche Wetterdienst sendet vom Wetterfunksender Pinneberg Faksimile-Wetterkarten (Betriebsart F1C) für die Schifffahrt aus. Laut DWD-Sendeplan:
| Rufzeichen | Frequenz |
|---|---|
| DDH3 | 3855 kHz |
| DDK3 | 7880 kHz |
| DDK6 | 13882,5 kHz |
Gesendet wird nach festem Zeitplan, zum Beispiel Bodenanalysen, Vorhersagekarten und Seegangskarten. Für Kurzwelle braucht der RTL-SDR einen Direct-Sampling-Modus oder ein Modell mit eingebautem KW-Empfang, siehe RTL-SDR für KW, MW und LW. Wie Wetterfax klingt, ist unter den Hörbeispielen zu hören.
Kurz-Checkliste für den ersten Meteor-Empfang
- Aktuelle Frequenz von Meteor-M N2-3 und N2-4 auf einer Statusseite prüfen.
- V-Dipol bauen, waagerecht und in Nord-Süd-Richtung möglichst frei aufstellen.
- Überflug mit hoher Elevation in Gpredict oder Orbitron heraussuchen.
- In SatDump die passende Meteor-M-LRPT-Pipeline wählen, den RTL-SDR einstellen und die Aufnahme kurz vor Beginn des Überflugs starten.
- Verstärkung so wählen, dass benachbarte starke Sender den Stick nicht übersteuern.
Welche Sticks sich eignen, steht unter Welche DVB-T-Sticks funktionieren?.