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RTL-SDR Blog V4: Kurzwelle ohne externen Upconverter

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Der RTL-SDR Blog V4 ist ein USB-Stick für den Empfang von 500 kHz bis 1,766 GHz, der Kurzwelle ohne externen Upconverter empfängt: Ein eingebauter Mischer setzt die HF-Signale intern nach oben um, der Treiber rechnet das automatisch heraus. Man stellt also einfach eine Kurzwellenfrequenz ein. Voraussetzung ist ein aktueller Treiber, sonst bleibt der Stick stumm oder zeigt Signale auf falschen Frequenzen. Wichtig für Käufer: Der Hersteller hat den V4 im Mai 2026 eingestellt, der Nachfolger heißt V4L.

Technische Daten im Überblick

Laut Datenblatt von RTL-SDR.com hat der V4 folgende Eckdaten:

MerkmalRTL-SDR Blog V4
TunerRafael R828D
ADCRTL2832U, 8 Bit
Frequenzbereich500 kHz bis 1,766 GHz
Bandbreite2,56 MHz stabil (bis 3,2 MHz mit Aussetzern)
HF-EmpfangUpconverter mit 28,8-MHz-Oszillator
FrequenzstabilitätTCXO, 1 ppm
Bias-Tee4,5 V, 180 mA, per Software schaltbar
Anschlüsse1x SMA (Antenne), USB-A
EingangsfilterTriplexer mit schaltbaren Kerbfiltern
Sendennicht möglich

Das Gehäuse ist aus Aluminium, ein Wärmeleitpad führt die Wärme vom Board ans Gehäuse ab. Wer generell wissen will, wie aus einem DVB-T-Stick ein Empfänger wird, findet die Grundlagen unter SDR mit DVB-T-Stick.

Was sich gegenüber dem V3 geändert hat

Der V3 empfängt Kurzwelle über den sogenannten Direct-Sampling-Modus, den man in der Software erst aktivieren muss. Beim V4 entfällt das. Nach Angaben des Herstellers liefert Direct Sampling am V4 sogar gar kein Ergebnis. Stattdessen arbeitet ein Mischer vom Typ SA612 mit Vorfilterung, der den ohnehin vorhandenen 28,8-MHz-Oszillator nutzt und die Kurzwelle um 28,8 MHz nach oben verschiebt. Der Treiber gleicht das aus, man stimmt direkt auf Frequenzen unter 28,8 MHz ab (nutzbar ab 500 kHz).

Daraus ergeben sich laut RTL-SDR.com drei Vorteile auf Kurzwelle:

  • keine Spiegelung von Signalen um 14,4 MHz (Nyquist-Faltung), wie sie beim Direct Sampling auftritt
  • bessere Empfindlichkeit
  • einstellbare Verstärkung, die beim Direct Sampling fehlt

Der zweite große Unterschied ist der Eingang. Der R828D hat drei Antenneneingänge. Ein Triplexer teilt das Signal in HF (0 bis 28 MHz), VHF (28 bis 250 MHz) und UHF (250 MHz bis 1,766 GHz) auf. Starke UKW-Sender stören dadurch beim Kurzwellen- und UHF-Empfang weniger. Zusätzlich gibt es Kerbfilter für Mittelwelle, UKW und DAB, die diese Bänder um etwa 5 bis 10 dB dämpfen. Sie sind eingeschaltet, solange man außerhalb dieser Bänder hört, und schalten sich ab, wenn man in eines davon abstimmt. Die untere Grenze bleibt wie beim V3 bei 500 kHz, sehr starke Signale können weiterhin zusätzliche Filter oder Abschwächer nötig machen.

Treiber unter Windows

Der V4 braucht wegen der geänderten Schaltung neue Treiber. Diese sind laut Hersteller rückwärtskompatibel zum V3 und zu anderen RTL-SDR-Sticks. Am einfachsten geht es mit SDR#:

  1. Aktuelle SDR#-Version von airspy.com (öffnet neues Fenster) laden und entpacken. Wichtig ist eine neue Version, denn nur deren install-rtlsdr.bat lädt die RTL-SDR-Blog-Treiber.
  2. install-rtlsdr.bat per Doppelklick starten. Sie lädt rtlsdr.dll und zadig.exe in den SDR#-Ordner.
  3. Zadig starten, unter "Options" den Punkt "List All Devices" aktivieren und "Bulk-In, Interface (Interface 0)" auswählen. Rechts vom Pfeil muss "WinUSB" stehen, dann installieren.

Bei Zadig ist Sorgfalt gefragt: Wer das falsche Gerät auswählt, ersetzt etwa den Treiber von Tastatur oder Maus. Ältere Programme, die noch keinen V4-Treiber mitbringen, lassen sich nachrüsten, indem man ihre rtlsdr.dll durch die Datei aus dem rtl-sdr-blog-Release auf GitHub (öffnet neues Fenster) ersetzt. Welche Datei passt, hängt von der installierten Programmversion ab: 64-Bit-Versionen brauchen die aus dem Ordner x64, 32-Bit-Versionen die aus dem Ordner x86. Alternativ funktionieren nach Herstellerangaben inzwischen auch die aktuellen Windows-Builds von Osmocom.

Treiber unter Linux

Unter Linux muss der Systemtreiber aktualisiert werden. Laut Quick Start Guide unterstützt der offizielle Osmocom-Treiber den V4 inzwischen. Der Ablauf unter Debian und Ubuntu nach der Anleitung von RTL-SDR.com:

  1. Alte librtlsdr-Pakete und -Dateien entfernen (sudo apt purge ^librtlsdr).
  2. Den aktuellen Treiber aus dem Quellcode von github.com/osmocom/rtl-sdr mit cmake bauen und installieren, inklusive udev-Regeln.
  3. Den DVB-T-Fernsehtreiber sperren: blacklist dvb_usb_rtl28xxu in eine Datei unter /etc/modprobe.d/ schreiben.
  4. Neu starten.

Alternativ steht der modifizierte Treiber rtlsdrblog/rtl-sdr-blog (öffnet neues Fenster) bereit, eine Abspaltung der Osmocom-Treiber mit Erweiterungen für V3 und V4. Wer Programme mit Osmocom-Blöcken oder SoapySDR nutzt, muss diese nach dem Treiberwechsel unter Umständen neu installieren.

Welche Software den V4 unterstützt

RTL-SDR.com nennt als bestätigt lauffähig unter anderem SDR#, SDR++, SDR Console V3, SatDump, Welle.io und RTL1090. Laut Datenblatt bringen SDR#, SDR++, SDR Console V3 und GQRX aktuelle Treiber mit. Bei GQRX gilt das für die aktuellen Releases, unter Linux hängt es zusätzlich vom installierten Systemtreiber ab. Ein älteres Paket aus der Distribution funktioniert daher nur, wenn der Treiber wie oben beschrieben erneuert wurde. Eine Übersicht der Programme gibt es unter Welche Software für RTL-SDR?, SDR# selbst unter Downloads.

Bias-Tee richtig nutzen

Das Bias-Tee versorgt aktive Antennen oder Vorverstärker (LNA) über das Koaxkabel mit Strom. In SDR# und SDR++ genügt ein Haken bei "Bias Tee". In anderen Programmen schaltet die Option "Offset Tuning" das Bias-Tee, solange die RTL-SDR-Blog-Treiber laufen. Unter Windows geht es auch per Kommandozeile mit rtl_biast -b 1 (ein) und rtl_biast -b 0 (aus). In GQRX lautet der Geräte-String rtl=0,bias=1.

Wichtig: Das Bias-Tee nicht einschalten, wenn der Stick direkt an einer Antenne hängt, die für Gleichstrom einen Kurzschluss darstellt (etwa eine Schleife), es sei denn, ein LNA sitzt dazwischen. Zwar ist die Schaltung abgesichert, ein Kurzschluss über Tage kann sie laut Hersteller aber dauerhaft beschädigen. Die Herstellerkennung im EEPROM ("RTLSDRBlog" / "Blog V4") sollte man nicht ändern, weil der Treiber daran den V4 erkennt.

Erste Schritte: UKW und Kurzwelle

Für einen ersten Test eignet sich UKW-Rundfunk zwischen 88 und 108 MHz: eine einfache Stab- oder Dipolantenne anschließen, in SDR# oder SDR++ die Betriebsart WFM wählen und einen bekannten Ortssender einstellen. Läuft das, stimmen Treiber und Software.

Für Kurzwelle bringt eine möglichst lange Drahtantenne meist deutlich mehr als eine kurze Stabantenne, am besten im Freien und abseits von Störquellen wie Netzteilen. Tipps zum Selbstbau stehen unter Antenne selbst bauen. Danach direkt eine Kurzwellenfrequenz eintippen, für Rundfunk die Betriebsart AM wählen und die Verstärkung so weit erhöhen, bis Signale deutlich über dem Rauschen liegen. Welche Stationen gerade senden, zeigt der durchsuchbare Kurzwellen-Sendeplan. Mehr zum Empfang unterhalb von 30 MHz steht unter RTL-SDR auf Kurz-, Mittel- und Langwelle. Mit welchen Geräten und Antennen der Autor dieser Seite arbeitet, steht unter Meine Geräte.

Produktionsende, Nachfolger V4L und Fälschungen

Am 14. Mai 2026 hat RTL-SDR.com das Ende des V4 bekanntgegeben: Der R828D wird nicht mehr hergestellt, der letzte Chipvorrat ist aufgebraucht. Händler können noch Restbestände haben, der V3 bleibt in Produktion. Seit August 2026 gibt es den V4L (Lite) mit dem Tuner R828S. Er hat denselben eingebauten Upconverter, TCXO und Bias-Tee, aber nur zwei statt drei Eingänge und damit eine einfachere Filterung. Dafür ist er nach Herstellerangaben etwas empfindlicher. Auch der V4L braucht aktuelle Treiber, die Windows-Treiber von rtl-sdr-blog unterstützen ihn ab Version 1.4.0.

Beim Kauf ist Vorsicht angebracht. Laut RTL-SDR.com sind von vielen Anbietern auf Marktplätzen wie eBay, Aliexpress und Banggood angebotene "RTL-SDR Blog"-Sticks Fälschungen, oft ohne HF-Modus, Bias-Tee oder TCXO. Viele gefälschte V4 stecken ein V3-Klon-Board in ein nachgemachtes V4-Gehäuse. Ein Merkmal echter Geräte sind die beiden diagonal angeordneten Gehäuseschrauben. Sicher ist der Kauf über die Händlerliste des Herstellers (öffnet neues Fenster) und die offiziellen Shops, die auf der Seite Genuine (öffnet neues Fenster) aufgeführt sind.