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Der RTL-SDR Blog V4L (Lite) ist seit dem 11. August 2026 erhältlich und ersetzt den eingestellten RTL-SDR Blog V4. Er empfängt wie der V4 von 500 kHz bis 1,766 GHz und hat denselben eingebauten Upconverter für Kurzwelle. Der Unterschied steckt im Tuner: Statt des R828D arbeitet ein R828S mit einem Eingang weniger. Dadurch ist der Stick nach Herstellermessungen etwas empfindlicher, aber gegen starke Sender schlechter gefiltert. Wichtig vor dem Kauf: Der V4L funktioniert nur mit aktuellen Treibern, und noch nicht jedes Programm unterstützt ihn.
Warum es den V4L gibt
Der V4 brauchte den Tuner-Chip Rafael R828D, der seit Jahren nicht mehr hergestellt wird. RTL-SDR.com hatte über seinen Fertiger einen großen Restbestand und rechnete mit Produktion bis Ende 2026. Die letzten Chips, die noch bei Zwischenhändlern zu bekommen waren, stellten sich laut Hersteller aber als Fälschungen heraus: Auf der Rolle lagen vorne echte Chips, dahinter andere Bauteile mit aufgelasertem R828D-Logo. Am 14. Mai 2026 kündigte RTL-SDR.com deshalb das Ende des V4 an.
Für den V4L hat der Hersteller einen geprüften Bestand des verwandten Chips R828S gesichert. Auch dieser wird nicht mehr produziert. RTL-SDR.com rechnet damit, dass der Vorrat etwa ein Jahr reicht, der V4L ist also ebenfalls eine begrenzte Serie. Für die Zeit danach gibt es nach Herstellerangaben eine erste Idee für einen V5, Neuigkeiten dazu soll es aber nicht vor 2027 geben.
Technische Daten im Überblick
Laut Datenblatt (öffnet neues Fenster):
| Merkmal | RTL-SDR Blog V4L |
|---|---|
| Tuner | Rafael R828S |
| ADC | RTL2832U, 8 Bit |
| Frequenzbereich | 500 kHz bis 1,766 GHz |
| Bandbreite | 2,56 MHz stabil (bis 3,2 MHz mit Aussetzern) |
| HF-Empfang | Upconverter mit 28,8-MHz-Oszillator |
| Frequenzstabilität | TCXO, 1 ppm |
| Bias-Tee | 4,5 V, 180 mA, per Software schaltbar |
| Stromaufnahme | typisch 250 bis 270 mA |
| Anschlüsse | 1x SMA (Antenne), USB-A |
| Eingangsfilter | Diplexer (Kurzwelle getrennt von UKW/UHF) |
| Gehäuse | Aluminium, Wärmeableitung über Wärmeleitpad |
| Senden | nicht möglich |
Unterschiede zum V4
Bis auf die Eingangsfilterung ist der V4L laut Hersteller identisch mit dem V4. Der R828D hat drei HF-Eingänge, der R828S nur zwei. Der V4 teilt das Antennensignal deshalb über einen Triplexer in drei gefilterte Zweige auf, der V4L nur über einen Diplexer in zwei: Kurzwelle auf der einen Seite, UKW und UHF auf der anderen. Daher der Zusatz „Lite“.
Das hat zwei Folgen, die der Hersteller mit eigenen Messungen belegt:
- Etwas empfindlicher: Weil im Signalweg ein Filter weniger sitzt, entstehen dort weniger Filterverluste. Beim kleinsten noch erkennbaren Signal (MDS) schneidet der V4L deshalb besser ab als der V4.
- Schwächer gegen starke Sender: Im Zweitontest, bei dem ein starkes Störsignal auf 95 MHz eingespeist wird, liefert der V4L dieselben Ergebnisse wie der V3. Wer in der Nähe starker UKW-Sender wohnt, dürfte die fehlende Filterung eher merken als die gewonnene Empfindlichkeit. Bei sehr starken Signalen kann laut Datenblatt eine zusätzliche Dämpfung oder Filterung vor dem Stick nötig sein.
Gleich geblieben sind der eingebaute Upconverter für Kurzwelle, der TCXO, das Bias-Tee mit Kontroll-LED, die überarbeitete Stromversorgung und das Aluminiumgehäuse. Wie beim V4 braucht man für Kurzwelle keinen Direct-Sampling-Modus: Man stellt einfach die Frequenz ein. Direct Sampling zu aktivieren, liefert laut Handbuch am V4 und V4L gar kein Ergebnis. Ein weiterer Vorteil: Der R828S ist günstiger, deshalb kostet der V4L etwas weniger als der V4.
| V4 | V4L | |
|---|---|---|
| Tuner | R828D (3 Eingänge) | R828S (2 Eingänge) |
| Eingangsfilter | Triplexer | Diplexer |
| Empfindlichkeit | gut | etwas besser |
| Festigkeit gegen starke Signale | besser | wie V3 |
| Status | eingestellt (Mai 2026) | erhältlich seit August 2026, begrenzte Serie |
Treiber: ohne Update kein Empfang
Laut Benutzerhandbuch (öffnet neues Fenster) funktioniert der V4L ohne aktualisierte Treiber nicht richtig, man bekommt dann schlicht kein Signal. Die neuen Treiber sind abwärtskompatibel, funktionieren also auch mit V4, V3 und anderen RTL-SDR-Sticks.
Erkannt wird der Stick über zwei Einträge in seinem EEPROM: Hersteller „RTLSDRBlog“ und Produkt „Blog V4L“. Diese Einträge darf man nicht ändern, sonst behandelt der Treiber den Stick wie ein gewöhnliches Gerät. Wer sie versehentlich überschrieben hat, kann sie mit rtl_eeprom -m "RTLSDRBlog" und rtl_eeprom -p "Blog V4L" wiederherstellen.
Windows: Die meisten Programme lassen sich nachrüsten, indem man ihre rtlsdr.dll durch die Datei aus dem rtl-sdr-blog-Release (öffnet neues Fenster) ersetzt. Welche Datei passt, hängt von der installierten Programmversion ab: 64-Bit-Versionen brauchen die aus dem Ordner x64, 32-Bit-Versionen die aus dem Ordner x86. Bei SDR# genügt es, die neueste Version zu installieren und dort install-rtlsdr.bat auszuführen, das Skript lädt die passenden Treiber. Für HDSDR und SDRuno gibt es eine eigene ExtIO-Datei (öffnet neues Fenster). Dort sollte man „IF AGC“ ausschalten, weil diese Funktion am V4 nicht richtig arbeitet. Wie man den Treiber mit Zadig einrichtet, steht im Artikel zum V4, das Vorgehen ist dasselbe.
Linux: Alte Treiber entfernen und die aktuellen aus dem Quelltext bauen. Das offizielle Osmocom-Projekt hat die Unterstützung für den V4L inzwischen aufgenommen (öffnet neues Fenster):
sudo apt purge ^librtlsdr
sudo apt-get install libusb-1.0-0-dev git cmake pkg-config build-essential
git clone https://github.com/osmocom/rtl-sdr
cd rtl-sdr
mkdir build && cd build
cmake ../ -DINSTALL_UDEV_RULES=ON
make
sudo make install
sudo cp ../rtl-sdr.rules /etc/udev/rules.d/
sudo ldconfig
echo 'blacklist dvb_usb_rtl28xxu' | sudo tee --append /etc/modprobe.d/blacklist-dvb_usb_rtl28xxu.conf
Danach neu starten. Das vollständige Vorgehen, auch für Systeme mit Debian-Paketen wie OpenWebRX- oder ADS-B-Images (FlightRadar24, FlightAware), steht im Handbuch. Nutzt ein Programm Osmocom-Blöcke oder SoapySDR, muss man es nach dem Treiberwechsel unter Umständen neu installieren.
macOS: Hier bringen die Programme ihre Treiber selbst mit. Laut Handbuch hatte zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch kein Anbieter seine Pakete für den V4L aktualisiert. Wer rtl_tcp nutzen kann, kann die Treiber über Homebrew selbst bauen.
Android: Die App „SDR Driver“ im Google Play Store unterstützt den V4L inzwischen, damit funktionieren auch die Apps, die darauf aufbauen.
Welche Software läuft
Der Hersteller warnt ausdrücklich: Nicht alle Programme arbeiten schon mit dem V4L. Mit den verbreiteten Programmen klappt es meist, Spezialsoftware sowie macOS und Android hinkten zum Verkaufsstart hinterher.
Bei SDR++ widersprechen sich die Herstellerangaben: Das Datenblatt nennt SDR#, SDR++, SDR Console und GQRX als Programme, die bereits aktuelle Treiber mitbringen. Im Benutzerhandbuch steht bei SDR++ dagegen „derzeit nicht unterstützt“, ebenso bei SDRangel. Wer eines dieser beiden Programme nutzen will, sollte daher vor dem Kauf die aktuelle Version und deren Änderungsprotokoll prüfen. Einen Überblick über die gängigen Programme gibt Welche Software für RTL-SDR?.
Das Bias-Tee schaltet man in SDR# über das Kästchen „Bias Tee“ (in SDR++ ebenso, sofern es den V4L unterstützt, siehe oben). In anderen Windows-Programmen hat RTL-SDR.com die Option „Offset Tuning“ dafür umgewidmet, unter Linux geht es mit rtl_biast -b 1. Wie beim V4 gilt: Das Bias-Tee nur einschalten, wenn ein Vorverstärker oder eine aktive Antenne dranhängt, nicht bei einer Antenne, die für Gleichstrom einen Kurzschluss darstellt.
Kaufen
Im Herstellershop kostet der V4L als einzelner Stick 37,95 US-Dollar (Stand 22.10.2026). Kunden in der EU beliefert der Shop laut eigener Angabe seit Juli 2021 nicht mehr direkt. Aus Deutschland bestellt man über das offizielle eBay- oder Aliexpress-Angebot des Herstellers, dort erhebt der Marktplatz die Mehrwertsteuer gleich mit. Versendet wird zunächst aus dem Lager in China. Amazon und ein Set mit Zubehör (Kit) hatte der Hersteller für zwei bis drei Monate nach dem Verkaufsstart angekündigt.
Wie schon beim V4 kursieren Fälschungen. Sicher kauft man über die Händler, die RTL-SDR.com auf der Seite Genuine (öffnet neues Fenster) aufführt. Wer noch einen echten V4 aus Restbeständen bekommt, macht damit nichts falsch: Er ist besser gefiltert und wird von mehr Programmen unterstützt. Für den Einstieg in Kurzwelle eignen sich beide Sticks gleich gut, mehr dazu unter RTL-SDR auf Kurz-, Mittel- und Langwelle.